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Bericht vom 28.06.2018:
Leder, Lumpen, Liebestöter
Elze - Viktor Pax (alias Siegfried Hauptmann) brachte den Mitgliedern des Kneipp-Vereins einen vergnüglichen Abend, und vermittelte Indoor -Stadtgänge im Saal, das heißt mit Blickwinkel auf die Leinwand. Werner Beermann vom Geschichtsverein sorgte für diese Einblicke und steuerte Fotos zu dem Vortrag bei. Seinen Vortrag wollte er nicht bierernst gesehen wissen und so hat er immer etwas zum Schmunzeln beigetragen.
Pax nannte seinen Vortrag „von Platz zu Platz“ und bot im Rahmen von 400 Jahren Stadtrechten Elzes einen Stadtrundgang durch die Saaelstadt Elze. Der Stadtgang begann am Dickkopfsplatz heute Capucchino. Der Dickkopf ist der Platz der einen Kopf darstellt, die Wirbelsäule schließe sich an als Hauptstraße. Der Hügel hinter dem Rathaus ist dann das Gesäß, so Hauptmann. So resümiert er, „das Rathaus steht am Arsch der Stadt“, „ist aber nicht ernst zu nehmen“, sagt er. Dann zeigt er die Wallstraße und den Jungfernstieg, er vergleicht damit Hamburg mit Elze. Elze hatte eine Reeperbahn, Friedrich Hennies drehte Hanfseile. Elze hatte in früheren Jahren den Verkehrsknotenpunkt der beiden Bundesstraßen, das ist heute vorbei. Dann kam Pax auf Milch-Lange zu sprechen und die Osterstraße wo Battmer angesiedelt war, Lebensmittelladen Anlauf und Drogerie Anton. An die schwarze Gasse neben der Drogerie schließt sich die „schwarze Gasse“ Hier fühlt sich mancher Erwachsene an seine Kindheit erinnert, denn eine bessere Rodelbahn bei Eis und Schnee gab es damals nicht. Dann ging Pax weiter über den Schmiedekamp und den Quellweg in den „Braunen Kohl“ und zur Bürgermeister-Brücke. An der Brücke wurden früher mal Radrennen veranstaltet; Veranstalter war der SSV. Der Stadtpark wurde früher gern als Bleiche genutzt, um die feuchte Wäsche auszubreiten. In der Untermühle hatte früher Bischof Magnus das Sagen. Zu Ostern wurden von dort 4 Semmeln nach Poppenburg getragen als Mühlenzins. Das hat der Stadtpförtner dorthin gebracht nach 1850 wurden dieses Semmelträger abgeschafft. Am Parkweg haben ehemals die Frauen ihre Wäsche auf dem Waschplatz gewaschen. Dann folgte die Saalebrücke wo inzwischen die Rechtsanwälte ihr Domizil haben. Nach dem 1.Weltkrieg stand hier eine Bank vor dem Amtsgericht. Gerichtsdiener waren vor 100Jahren, die Altmeister der Justiz. Das ehemalige Schützenhaus wurde in 1982 abgerissen. Es gibt noch ein altes Foto von 1925 von dem Haus. Gasthaus Gundelach kam als nächstes und das Rolands-Denkmal mit dem Kämpfer Karl des Großen. 1434 wurden dort erste Musikstücke gespielt. Rolands Geliebte hieß Angelika. Ein schönes Dreiergespann war die Peter- und Paul-Kirche, die Schule und das Rathaus. Senator Hasemann unterhielt einen Betrieb der Schönfärberei. Louis Krüger war ein berühmter Geodät, der alles mathematisch vermessen hat. Erdelypsio Gauß-Krüger Koordinaten-System. Krüger hat sich mit Hasemann angefreundet. Julius Hasemann hatte in Berlin eine Kolonialwarengeschäft, Krüger war in Potsdam. Julius war bei Fritz zu Besuch, Krüger ist in Berlin geblieben und hat einen Brief geschrieben.
Der zweite Teil des Abends stand unter dem Thema Leder, Lumpen, Liebestöter. Lederhosen trugen alle Jungen, damit die Schläge nicht so weh taten. Als die Jeans kamen, lösten sie das Leder ab. Dunkelgrünes Glattleder kam in 1950 in Mode. Am Waschplatz wurden die Klamotten gewaschen und im Stadtpark ausgelegt und getrocknet. Dann ging es zur Bürgermeisterbrücke, historisches Bild wie 2 Jungs an der Bleiche stehen in 1934, der früher Horst Wessel Park hieß. Tierhäute wurden gegerbt zur Herstellung einer Lederhose. Dabei war man am Waschplatz auf fließendes Wasser angewiesen, dabei konnte man schon mal „die Felle davonschwimmen sehen.“ Damals gab es Lohgerber und Rotgerber . Rinderhäute waren kräftiger und eigneten sich für Schuhe. In Elze gab es auch eine Lohmühle. Fichten- und Eichenhäute bis 1847. Die Lohmühle sorgte für umfangreiches Schusterwerk. Mehrere Betriebe gab es damals an der „Gerber“straße. „Frauen in Lack und Leder riechen wie neue Autos“, sagt Pax. Dann kommen wir auf das Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik. Neben Waggonfabrik gab es Reiß, sowie Otto Neumann & Stutz, die Lumpenfabrik. Alles wurde ausgewaschen, Reißbaumwolle aus alt Textilien gemacht, dazu gab es eine Wäscherei und Färberei.
„Lumpenpack hieß es damals und Lumpengesindel“. Ein alter Lappen war für die Grimm Brüder ein erbärmlicher Mensch mit niederer Gesinnung. Lump ist ein Dackel von Pablo Picasso, ein besonders Tiermodell, dem er aufwändige Zuneigung zukommen ließ. dann ließ der Fotgraf ließ ihn dann bei Picasso. Der Fotograf war Besitzer, der hieß nachher „Lump tie eat Picasso“ Der Hund hat dann das Karnickel samt Pappe aufgefressen.
Dammstr. 5A Kleiderfabrik Heinrich Theis mit Modenschau aus Wuppertal Cousin von Paul Neuhaus. Hennemann Felle, Gewürze Siegmund Stern, Gerberei. Frisör Schwerdtfeger. Man sagt damals oft: „Lange Loden, kurzer Verstand“. „Was kannst Du von Hippies anderes erwarten? so Pax. Loden-Stoff war sehr strapazierfähig. Fritz Steins war Kürschnermeister, Frau Zach verkaufte Unterwäsche Dessous aus Samt und Satin-sehr erotisierend-. Lange Unterhosen trugen altmodische Männer -genannt „Liebestöter“. „Da ist bestimmt bei keinem das Lustgefühl aufgekommen“, meint Pax sarkastisch.
Ein netter amüsanter Abend, der den Keippinaner gut gefallen hat und für den es viel Applaus gab. Viktor Pax wie auch Werner Beermann erhielten als Dankeschön je eine schöne Flasche Wein.

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