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Bericht vom 20.11.2018:
Frau Müller lädt Landfrauen in die Vergangenheit ein
Region - Die Landfrauen von Gronau und Umgebung trafen sich im Gasthaus „Zum Kronprinzen“, Barfelde zu einem Vortrag von Karin Viebach, die Erinnerungen aus ihrer Kindheit in kleinen Broschüren zum Verkauf mitgebracht hatte und daraus vorlas.
Nach der schönen Kaffeetafel mit viel Torten und Schnittchen, setzte sich die Vortragende Karin Viebach einen feschen roten Hut auf und versetzte sich in die Zeit von 1945-1960, um den ca. 80 Damen eine „Reise in die Vergangenheit“ zu präsentieren. Dabei verwandelte sie sich in die fiktive Person „Frau Müller“ und beschrieb, was diese wohl in den Jahren alles erlebt hat.
So manche Frau im Saale konnte sich genau an die Zeit erinnern, als abends der Nachttopf unter dem Bett stand und dass man für das „große Geschäft“ im Dunkeln über den Hof gehen musste im Nachthemd mit Licht in der Hand. Auf dem stillen Örtchen wurde zurechtgeschnittene Zeitung am Nagel aufgehängt, statt viel später Toilettenpapier. Da konnte man, wenn man länger blieb, spannende Geschichte im Ausschnitt lesen. Interessant war auch der Badetag in der Familie, wo einmal Wasser eingelassen wurde für die ganze Familie, mit der Warnung der Mutter: „Lasst nichts überschwappen. Dazu wurde immer wieder der Schaum abgeschöpft und weiteres Wasser zugelassen. Erst stiegen Vater und Mutter nacheinander in die Wanne,, dann der Bruder und dann Frau Müller.
Oma hatte im Haus das Sagen und man konnte in ihrer Kiste nach interessanten Knöpfen wühlen. Sie konnte Nähen und Stricken. Ich war stolz auf meine Schuhe aus Holz.
Milch wurde in einer Milchkanne eingekauft und man erhielt sie noch auf „Marken“. Sonntags nachmittags brach die Familie zum 2 Stunden langen Spaziergang auf. Frau Müller hatte gesmogte Kleider mit Puffärmeln und Bubi-Kragen und 2 großen Schleifen in den Locken. Sie lief den Schmetterlingen nach und hatte dann kaputte Knie. „Wer nicht hören will, muss fühlen“, hieß es dann. Kurz nach vier Uhr, wenn der Vater von der Arbeit kam, sagte er zu seiner Tochter, „Ich hab hier was für Dich, mein Herz“ es waren 2 Mettwurst-Brote sogenannte „Hasenbrote“.
Wenn die Einmachzeit kam, war in den Familien viel los, dann wurden Bohnen-Bohnen-Bohnen eingekocht auch Erbsen und Kirschen. Dann saß Frau Müller auf der Fußbank und musste warten, bis 2 Stunden Kochzeit vorbei waren. Wenn sie ins Freie durfte, wurde der Kreisel mit dem Band geschlagen. Ein besonderes Lied sangen die Mädchen: „Lumpen, Eisen, Knochen und Papier, ausgeschlagene Zähne sammeln wir.“ Dann erinnert sie an die Zeit der Tanzstunde und wo man durch den mit Kartoffelstärke gestärkten Petticoat die Röcke schwingen ließen. Sie trug ein rosa Kleid und eine weiße Schleife im Pferdeschwanz.
Dann kommt ein Klassentreffen, wo sich Frau Müller drauf freut, ihren Schwarm aus der Jugendzeit wiederzusehen. Doch was sie sieht, ist ein stark übergewichtiger, uninteressanter Mann. Sie wundert sich dabei nur, „Ist das der Held aus meinem Leben?“
Sie macht sich schön mit Kleidern der neuesten Mode. Sie geht ins Modehaus und zieht Kleider ohne Ende an und aus. Frau Müller ist auch interessiert an der Politik und was in der Welt so interessiert. Auch Aktien interessieren sie, wo das Volk Gewinn machen kann. Frau Müller, geht in die Oper, singt dabei ein Frühlingslied und kleidet sich nach dem „neuesten Schrei“. „So sah man sie zur Stadtbahn gehen“. Dann erinnert Frau Viebach daran, dass die Trennkost in Mode kam. „Man war ja kerngesund, nur an den Hüften zu rund“. „Auf Trennkost baut die Haut, wird zart, die Augen blank“, das versprach die neue Kost. Nach den Vorschriften der Kost zeigte die Waage dann 4 Pfund mehr. „Klar muss man sich dann von den Kleidern trennen, wurde ihr bewusst“. Dann erzählt sie, wie eine Freundin sie zu Kaffee und Kuchen bittet. Sie denkt über eine Geschenk nach, weiß aber , dass die Freundin „auf Diät ist“, da findet sie eine blaue Vase („von wem hatte ich die doch?“), die sie nun verschenkt. Die Beschenkte jedoch denkt: „Jetzt habe ich die Vase endlich zurück“. Doch dann kam ein junger Mann, der sich für sie interessierte. Sie hatte Angst vor ihren Eltern und verabredete sich um 22.00 Uhr vor der Tür ihres Elternhauses und riet dem Freund, sich zu melden mit dem Ruf eines Waldkauzes. Am Morgen sagten die Eltern: „Gestern Abend haben wir einen Waldkauz gehört“. Das klappte dreimal, danach rief das Käuzchen abends nicht mehr wieder. Als viele Jahre später ein junger Mann in der Straßenbahn aufsteht und ihr den Platz anbietet, denkt sie; „Jetzt bist du alt!“

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